Filmstart von “Das Massaker von Katyn” und die historischen Hintergründe
Heute kommt der Film “Das Massaker von Katyn” in die deutschen Kinos. Andrzej Wajda, der polnische Regisseur des Films, hat mit diesem ersten Spielfilm über das polnische Trauma ein großen Schritt gewagt.
An dieser Stelle muss bedauerlicher weise festgestellt werden, dass es deutsche Regisseuren scheinbar noch an Mut mangelt, Kriegsverbrechen gegen Deutsche zu thematisieren. Dem polnischen Regisseur Wajda scheint es jedoch gelungen, ein bewusst verschwiegenes und bisher verfälschtes Ereignis aus dem Vergessen zu holen.
An dieser Stelle möchten wir unseren Lesern eine
Vorschau auf den Film nicht vorenthalten. Ob der Film als sehenswert erachtet
wird oder nicht, möge jeder für sich entscheiden!
Hintergrund des Films: Im Frühjahr 1940 kam es zur Ermordung von mehreren tausend polnischen Offizieren und Zivilisten durch das sowjetische Innenministerium NKWD. Jahrelang wurde versucht die schrecklichen Verbrechen den Deutschen anzulasten, doch damit hatte man in diesem Fall langfristig keinen Erfolg. Im Bezug auf den Fall Katyn schreibt der kanadische Historiker James Baque:
“Im Jahre 1940 schlachtete die Rote Armee viele tausend polnische Offiziere ab, die während des sowjetischen Überfalls auf Polen 1939 gefangengenommen worden waren. Dieses Massaker wurde natürlich vor der lokalen Bevölkerung und vor anderen Armee- und NKWD-Einheiten geheimgehalten. Routinemäßig wurde über das Gemetzel eine Akte angelegt und nach Moskau geschickt. Nachdem die Deutschen in Rußland einmarschiert waren, wurden die überlebenden Polen Rußlands Verbündete. Aus dem Gefängnis entlassen, um eine polnische Armee austellen zu helfen, die gegen die Deutschen kämpfen sollte, traf sich der polnische General Anders in Moskau mit Stalin. Er wußte nicht, was mit den vermißten Offizieren geschehen war, und forderte Stalin von Angesicht zu Angesicht auf, sie freizugeben. Stalin tat, als wüßte er von nichts. Anders gab sich damit nicht zufrieden und schickte einen seiner Stabsoffiziere los, um die gesamte UDSSR nach den verschollenen Männern abzusuchen. Konkrete Hinweise fand man nicht, nur vage beunruhigende Gerüchte. Zuerst glaubten die Polen, etwa 3000 Offiziere seien hingerichtet worden; später hegten sie den Verdacht, daß es viel mehr waren, eventuell sogar 15000.
Nachdem die Deutschen die Gegend von Katyn eingenommen und einige der Massengräber entdeckt hatte, führten sie eine Untersuchung durch, die ergab, dass die Sowjets die Täter waren. Als die polnische Exilregierung in London das Internationale Rote Kreuz um Ermittlungen bat, brachen die Sowjets die diplomatischen Beziehungen zu den Polen ab. Später eroberten die Sowjets Katyn zurück und setzten einen eigenen Außschuß ein, der sie für unschuldig und die Deutschen an dem Verbrechen für schuldig an dem Massaker befand. Doch die für die Täterschaft der Sowjets sprechenden deutschen Beweise waren so erdrückend, daß sowohl Churchill wie auch Roosevelt die Sache aus politischer Rücksichtnahme unter den Teppich kehrten. Churchill teilte Roosevelt mit, daß das Verbrechen von den Russen begangen worden sei, und riet ihm, diese Information geheimzuhalten. Ein amerikanicher Freund Präsident Roosevelts, Botschafter Earle, legte dem Präsidenten Beweise vor, die gegen die Sowjets sprachen, doch auf Churchills Rat hin verbot ihm der Präsident, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Dabei war das Massaker von Katyn an Polen, also an Verbündeten des Westens begangen worden. Um die polnische Bevölkerung zu verteidigen waren, waren Großbritannien und Frankreich überhaupt erst in den Krieg gegen Hitler eingetreten.
Im Verlauf der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse von 1945/46 brachten die Sowjets eine so absurde Anklage gegen die deutschen vor, gegründet auf ungeschickte Zeugen, die ihren auswendig gelernten Text herausstotterten, und auf plumpe Beweisfälschungen, daß die Amerikaner und Briten sie überredeten, die Anklage zurückzuziehen. Fünfzig Jahre lang logen und betrogen die Sowjets, stellten sich unwissend, schoben die Schuld scheinheilig auf andere, beleidigten Freunde, schufen sich neue Feinde, ermordeten diejenigen, die die Wahrheit sagten, und verloren ihr Gesicht, während die Welt darüber diskutierte, wer denn nun tatsächlich die Gefangenen von Katyn auf dem Gewissen hat. Und ebenfalls 50 Jahre lag das NKWD-Dokument, in dem die Todesstrafe für die Gefangenen von Katyn angeordnet worden war, auf einem Regal in den Archiven von Moskau, zusammen mit Briefen und Aktennotizen, in denen die anschließende Vertuschungsaktion befolen wurde. In demselben Archiv befanden sich auch Unterlagen, aus denen hervorging, daß Molotow, Kaganowitsch und Stalin in den Jahren 1937 und 1938 die Hinrichtung von 38679 Armeoffizieren, Dichtern, Schriftstellern und Apparatschiks befohlen hatten.” (James Baque aus Verschwiegene Schuld, S. 83 bis 85)
Quelle: Westfalen-Nord